Schulz will aufholen wie Schröder

Da geht's lang SPD-Generalsekretär Hubertus Heil gibt Parteichef Martin Schulz die Richtung vor- nämlich nach oben

Als Kanzlerkandidat Martin Schulz nominiert worden sei, habe es bei vielen die Hoffnung gegeben, dass die SPD wieder eine sozialdemokratische Partei werde, sagte sie der "Welt". "Sie bezieht keine konkrete Position". Das sei, zugegeben, in der Vergangenheit eine erfolgreiche Strategie gewesen, befindet Schulz. Stellenweise wirkt Schulz dünnhäutig wie SPD-Kanzlerkandidat Peer Steinbrück auf den letzten Metern vor der Wahl 2013. "Ich nenne das einen Anschlag auf die Demokratie". Harte Worte von Schulz, wenn auch ruhig vorgetragen. Als Martin Schulz bei seinen Fans noch Jubelstürme auslöste, da waren es vor allem die kämpferischen, schemenhaft linken Töne gewesen, die für Euphorie gesorgt hatten. "Unkonkret und wolkig" sei Merkels Kritik an US-Präsident Trump, sagt Schulz.

Nach langer Zeit darf auch Gerhard Schröder wieder eine politische Ansprache auf einem SPD-Parteitag halten, er ist als Mutmacher eingeladen.

Der ehemalige Bundeskanzler Gerhard Schröder macht seinen Parteigenossen Mut für den anstehenden Wahlkampf. Schröder spricht also ausführlich darüber, wie im Jahr 2005 Medien und Umfrageinstitute die SPD schon abgeschrieben hätten. Damals habe die SPD mit ihm als Spitzenkandidaten in Umfragen zeitweise um über 20 Prozentpunkte hinter der Union gelegen - am Ende habe die CDU 35,2 Prozent erreicht und die SPD 34,2 Prozent. "Und was damals ging, liebe Genossinnen und Genossen, das geht heute auch".

Schröder, zunächst mit verhaltenem Applaus empfangen, beweist, dass er die Genossen noch immer packen kann. "Wenn Sie der Kanzlerin "Demokratieverachtung" vorwerfen, haben Sie mal überlegt, mit wem Sie koalieren?", fragte er an Schulz gerichtet. Nun gelte: "Auf in den Kampf!" Der 73-Jährige mahnte, auf dem Weg in dieses Amt dürfe es keine Selbstzweifel geben.

Die grosse Koalition hat in dieser Legislaturperiode die Beratung über Gesetzentwürfe von Grünen, Linken und dem Bundesrat zur "Ehe für alle" 30 Mal vertagt und eine Abstimmung verhindert. Erstaunlich geräuschlos hat Schulz, der aus Brüssel keine Truppen mit nach Berlin brachte, die Partei hinter sich versammelt.

Die Debatte über das Wahlprogramm fällt knapp aus - was auch daran liegt, dass der Parteitag wegen des großen Andrangs mit Verspätung begonnen hat.

Ausführlich stellt Schulz die zentralen inhaltlichen Forderungen der SPD vor, die sich im 72-seitigen Wahlprogramm finden, das am Nachmittag ohne Gegenstimme und mit nur einer Enthaltung einmütig verabschiedet wird. Mehr als 6000 Gäste füllen die Ränge in der Westfalenhalle, über der Bühne prangt in großen weißen Buchstaben auf rotem Grund der Schulz-Slogan "Zeit für mehr Gerechtigkeit". Ein Ort der Siege von gestern also. Er verwies darauf, dass die CDU bei den jüngsten drei Wahlkämpfen im Saarland, in Schleswig-Holstein und Nordrhein-Westfalen engagiert um Nichtwähler geworben habe. Der Vorwurf ist überzogen, aber er gewährt einen kurzen Einblick in die Gefühlswelt des SPD-Chefs, der sich langsam um die Früchte seiner Anstrengungen betrogen sieht: Seit Mitte Mai die Landtagswahlkampf in NRW für die SPD verloren ging, kämpft Schulz mit höchstem Einsatz für eine Trendwende. Schulz holt aus zu einem Rundumschlag: nicht nur gegen die Union, sondern auch gegen "die Feinde der Demokratie", wie er die Rechtspopulisten in Deutschland und weltweit nennt. Und an diesem Abend sei es wieder eine Kampfbahn, "für die Roten in Deutschland". Die Juso-Vorsitzende, die Schulz' Vorgänger Sigmar Gabriel das Leben schwer gemacht hatte, die in den vergangenen Tagen noch heftig dafür geworben hatte, dass die SPD die Vermögenssteuer in ihr Programm aufnehmen müsse, erschien quasi als Überraschung nach Schröders Rede und sammelte Zustimmung mit ihrem Ausruf: "Meine Generation hat Angela Merkel satt". "Nichts ist entschieden." Und: "Wir haben gekämpft und aufgeholt". Er setzt den aus Chile überlieferten Schlachtruf "Venceremos" hinzu.

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